"wohnst du hier?", fragte das mädchen mit den irrsinnig langen haaren.
"2 strassen weiter, in dem grünen haus mit roten fensterläden," antwortete ich, "kennst du es?"
ich hab mir am kiosk eine flasche wasser gekauft, 0,75 liter, mit der vollen kohlensäurendröhnung. ich war laufen, eigentlich war es viel zu heiss dafür, aber ich fand mich heut morgen mal wieder zu dick und früh am morgen konnte ich mich noch nicht aufraffen. einen euro steck ich mir immer in die socke, falls ich mir direkt frisches kaltes wasser holen möchte, heute mochte ich. ich gab salvatore den euro, bekam dafür die eiskalte flasche und 15 cent retour, ein faires geschäft.
ich setzte mich auf den bordstein und nahm einen großen schluck, der erste schluck ist immer der beste, als wäre es aufs neue immer wieder etwas vollends neues.
dann kam das mädchen mit einem wassereis aus dem kiosk. mit den zähnen kaute sie ziemlich routiniert den oberen rand ab, spuckte das unnütze stück plastik auf den boden und setzte sich neben mich.
"ja, das kenn ich, ich kenn jedes haus hier, auf jeden fall jedes von der hauptstraße bis zum park."
"das sind aber eine menge häuser!"
"ja und?"
"die kennst du alle?"
"klar."
"kennst du das haus mit dem großen eisentor zum hof und der katzenoma?"
"sicher."
"sicher?"
"richardstrasse 13, ich find die oma gruselig."
die katzenoma läuft immer im kittel rum, schimpft auf alle kinder und hat geschätzt 20 katzen, davon sind mindestens drei immer auf der fensterbank zu sehen.
"nicht schlecht, ja ich find sie auch gruselig, komisch, was?"
"warum, nur weil ich ein kind und du schon erwachsen bist?"
"äh.....ja, schon, ja."
"warum denken alle erwachsenen ich habe vor sachen angst, nur weil ich ein kind bin?"
"keine ahnung."
"ich auch nicht."
"willst du noch ein eis, ich hol mir auch eins," fragte ich sie.
"nein."
"nein?"
"sag ich doch."
"jedes kind will soviel eis wie es kriegen kann!"
"warum denken erwachsene immer........."
"ja ja, ich weiss schon, ich hol mir auf jeden fall eins."
bevor ich wieder in salvas laden bin sagte sie: "warum warst du laufen?"
"äh.....ach ich möchte doch kein eis."
sie kicherte.
"mein papa läuft auch immer und wenn er zurück ist, isst er doppelt soviel wie sonst."
"ich glaub man denkt dann, man hat sich das irgendwie verdient, irgendwie bescheuert, wie heisst du?"
"die tochter von den burdenskis."
"komischer vorname."
"wenn ich zum bäcker gehe sagte die dicke frau immer, na da ist ja die kleine burdenski, und wenn im hof mal eine scheibe kaputt gegangen ist, sagen die nachbarn, das war bestimmt wieder die tochter von den burdenskis, ich glaube meinen vornamen kennt keiner."
"also, tochter der burdenskis, welchen namen hat dir deine mutter geschenkt, damit er sich vor deinen nachnamen einsortiert?"
"papa!"
"was?"
"papa hat mir den namen gegeben, mama hatte keine idee und papa hat sich im krankenhaus für lisa entschieden. das hat er auf jeden fall so gesagt."
"lisa mag ich, da hast du ja nochmal glück gehabt."
"wie heisst du?" fragte sie und rollte ihre leere wassereistüte zusammen.
"mirco."
"wieso?"
"ich sollte marcel heissen, aber dann hat meine mutter kurz vor meiner geburt einen film mit ihrem lieblingsschauspieler gesehen, er hat einen mirco gespielt, dann hat sie sich für mirco entschieden."
mama war ein großer fan von bernd herzsprung, er spielte mirco, heute steh ich auf seine tochter, irgendwie ein schöner bogen, der sich da spannt.
"die geschichte ist schön, aber den namen mag ich nicht", sagte sie mit einem kopfschütteln, "ich hab einen mirco in meiner klasse, der isst seine popel!"
"ich mag keine popel!"
"das sagt jeder."
ich musste lachen, sie war weit davon entfernt auch nur zu lächeln.
"hast du auch so schuhe?", fragte sie und zeigte auf ihre grünen turnschuhe deren sohlen leuchteten, wenn man auftrat.
"nein, ich glaube die gibt es nicht in meiner größe, leider!"
"hast du kinder?"
"nein."
"magst du keine kinder?"
doch, manchmal, aber zum kinderkriegen benötigt man ja auch eine frau."
"magst du keine frauen?"
"doch, manchmal."
"du bist komisch."
"ja, das hab ich schon öfter gehört."
dann stand sie auf, ihre sohlen blinkten auf, "ich muss nach hause, es gibt gleich essen."
"guten appetit lisa, was gibt es denn?"
"spaghetti", jetzt lächelte sie, "ich liebe spaghetti."
"ich auch."
"tschüß mirco", winkte sie mir zu.
"mach´s gut lisa", salutierte ich.
sie hüpfte wie beim kästchenspringen davon, blieb stehen, drehte sich noch einmal um, "ich find dich nicht dick."
dann war sie weg, ich ging zu salvatore und holte mir ein schoko-eis.
2011-03-18
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