als wir klein waren teilten wir nahezu jede freie minute.
nach der schule und dem mittagessen, den hausaufgaben, oder was auch immer uns davon abhielt die spannenden dinge zu tun, trafen wir uns draussen.
wir spielten jede nur erdenkliche sportart, von morgens an bis es zu dunkel wurde zB tischtennis, auch wenn wir manchmal minuten warten mussten, bis der wind abflaute.
tennis, badminton, zehnkampf, mit murmeln, mit autos, und vor allem fussball.
auf benachbarten wiesen, feldern und in eurem garten in dem dein vater uns ein tor baute.im winter schaufelten wir den schnee vom rasen, so dass wir spielen konnten.
war es zu kalt, spielten wir tipp kick. eine ganze wm manchmal.
im hintergrund lief duran duran dann die cold crush brothers und run dmc.
mit bmx rädern fuhren wir nachts im sommer auf der landstraße rennen.
wir rannten durch den wald und spielten die profis, du warst body der harte und ich doyle, der besonnenere.diese rollenverteilung begleitete uns fast das ganze leben.
wir schlichen uns im dunkeln in die benachbarten schrebergärten, sprangen über die hecken und rollten uns wie im actionfilm ab.tranken heimlich apfelsaft aus den fremden garagen und dachten wir wären geheimagenten.
als ich 12-13 war wurde die gemeinsame zeit weniger, du hingst in der stadt ab, fingst an zu rauchen, ich ging das erste mal mit dir los sprühen.
ich hatte irgendwann eine erste freundin, wir trafen uns oft nur im bus und irgendwann war deine älteste schwester tot.
überdosis, ich brachte es nicht fertig dir etwas tröstendes zu sagen, drum stand ich schweigend neben dir.
manchmal spielten wir noch fussball und manchmal rauchten wir heimlich.
ich hörte damit auf und du warst öfter mal angetrunken.
du hast immer mehr mist gemacht, eine schlägerei, aufgebrochenen automaten etc..
du hast mich nie überreden wollen bei etwas mitzumachen, ich glaube, du hast mich teilweise sogar vor sowas geschützt.
manchmal gab es noch momente der verbundenheit, ich war vielleicht 17 als wir nachts im klirrekalten winter zu fuss heimgingen und uns taschentücher gegen die kälte in die ohren stecken mussten.
rund eine stunde sind wir bei tiefen minusgraden gelaufen und doch war es ein besonders warmer moment im nachhinein.
du hast immer mehr getrunken mit der zeit, wie dein vater.
und meiner.
du hast auch andere sachen genommen, aber mir davon erzählt hast du nie.
dann starb thomas, der beste breaker der stadt.
innerhalb eines jahres nahm er den weg vom alkohol zum heroin.
er war ein freund und dein bester.
ich weiss nicht ob du seiner, oder er dein schlechter einfluss war.
dann kamen die ersten haftstrafen.
manchmal hab ich dich zum wochenende an der jva mit meinem käfer abgeholt, die geschichten aus dem knast fand ich spannend.
du hast mir anfangs mal einen brief geschrieben, du hast mich gewarnt nicht so zu werden, ich hab dir verbotenenerweise tapes eingeschleust.
als du auf bewährung draußen warst, hast du immer größeren mist gebaut.
irgendwann hast du 9 jahre bekommen.
dann nochmal 3.
in der zeit haben wir uns nie gesehen.
dann solltest du raus kommen sagte deine mutter, aber das verzögerte sich immer mehr, du seist im entzug sagte sie.
es vergingen mehr jahre.ende april war ich zuhause, mein bruder feierte bei meinen eltern im garten seinen geburtstag.
irgendwann sagte mir jemand, dass ich mal rauskommen soll, ein alter freund wolle mir hallo sagen.
dann standest du da und meine knie wackelten.
ich hab dich erkannt.
aber es war, als ob jemand jegliches leben aus deinem körper gezogen hat.
du hast langsam gesprochen und warst niedergeschlagen.
deine zähne ungepflegt, deine worte weise und traurig und da war diese alte nähe.
man sagt manchmal, dass man sich fühlt, als hätte man einen geist gesehen.
ich habe einen gesehen.
wir haben uns eine halbe stunde unterhalten, dann musste ich gehen, ich weiss nicht mehr was ich sagte warum, aber die situation schnürte mir den hals zu.
ich muss ständig dran denken.
pass auf dich auf.
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1 Kommentare:
oh gott, ist das traurig.
dein text hat mich fast zum weinen gebracht.
ich kenne ähnliche situationen.
manche menschen zerbrechen einfach an schicksalsschlägen.
ein alter bekannter von mir ist vor ein paar wochen in der entzugsklinik gestorben.
heroin.
er war ungefähr 20 und ich hätte nie gedacht, dass er sowas nimmt.
traurig.
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